Was hilft bei Husten?

Hier kommt die Medizin. Je weniger Husten, desto besser. Sie finden Tipps und Erklärungen zur Ursache, zur Diagnose, zur Therapie und Links zum HNO-Arzt oder zum Lungenfacharzt, je nachdem. Alles streng sachlich und auch "kinderleicht" erklärt, doch schauen Sie selbst! *

Was ist Husten?

Atmen ist zunächst eine mechanische Aufgabe: Die Atemluft nimmt den Weg von Nase oder Mund zur Lunge über Rachen, Kehlkopf, Luftröhre und Bronchien - und zurück. In den Lungenbläschen findet der lebensnotwendige Gasaustausch statt (Sauerstoff gegen Kohlendioxid). Beim Essen und Trinken nimmt das Schlucken den Weg von der Mundhöhle über den Rachen in die Speiseröhre. Atemweg und Schluckweg kreuzen sich also im Rachen. Trotzdem dürfen keinesfalls Speise oder Flüssigkeit (auch nicht Speichel) in die tieferen Luftwege gelangen.

Die Natur hat vorgesorgt.

Beim Schlucken halten wir im Normalfall kurz die Luft an. Zusätzlich hilft der Kehlkopf, den Atemweg vom Luftweg zu trennen. Wer verstehen will, wie Husten funktioniert, muss Form und Funktion des Kehlkopfes kennen. ("Wat is'n Dampfmaschin?" fragt der Lehrer im Film Feuerzangenbowle). Wat is'n Kehlkopf? Der Kehlkopf ist salopp gesagt ein Rohr mit mittig integrierter Düse und aufgesetztem Ventil. Genauer: Im Zentrum dieses Rohres liegen zwei Stimmlippen, die den Hohlraum einengen (Düse für die Stimmbildung), aber auch aktiv auseinander weichen können, um den Luftweg wieder frei zu geben. Oben klappt der Kehldeckel beim Atmen auf, beim Schlucken zu (Ventil).

Für das Verständnis des Hustens fehlt noch der Hinweis auf den Tastsinn (Fühlen) in der Schleimhaut, die den Kehlkopf innen auskleidet: Gerät Speise oder ein Fremdkörper in die tieferen Atemwege, drohen je nach Art und Größe Atemnot und Ersticken. Der Hustenreflex tritt bei Berührung der Innenwand des Kehlkopfes oder der Luftröhre mit großer Macht in Aktion: Die Stimmlippen schließen sich, es wird darunter ein maximaler Druck aufgebaut, die Stimmlippen öffnen sich sehr plötzlich - und der Fremdkörper wird mit der Luft ausgehustet; die Geschwindigkeit dieses Hustenstoßes beträgt etwa 250m/sec! Dieser Reflex ist lebensnotwendig und daher nicht  zu unterdrücken. Ähnlich sieht es bei kleineren Fremdkörpern, Rauch oder reizenden Gasen, lokaler Entzündung oder Schleimtropfen oder bei Erkrankungen der Lunge aus.

Husten wie Juckreiz

Und wenn die Fühlrezeptoren ohne Verschlucken trotzdem gereizt werden, tritt der Hustenreiz auch in Aktion. Dies kann so geschehen: 
Am besten vergleichen wir den Hustenreiz mit dem Juckreiz. Jeder kennt den juckenden Mückenstich. Je mehr man kratzt, desto mehr schwillt die Haut an, und der Juckreiz nimmt weiter zu. Mit der empfindlichsten Region unterhalb der Stimmlippen ("subglottischer Raum") verhält es sich genauso: Ein "Juckreiz" hier ruft nach einem energischen Husten - mit der Folge einer Schwellung und dem verstärkten Hustenreiz! Ein Teufelskreis... 

Gemeinsame Grundlage beim Hustenreiz und Juckreiz sind Botenstoffe im Gewebe wie das Histamin. Manch einer kennt das Histamin von seiner Allergie. Dieses Histamin führt lokal zu einer Schwellung des Gewebes. Die Schwellung drückt auf die sensiblen Nervenendigungen; das Resultat sind weitere Schwellung und Juckreiz - oder in den unteren Atemwegen der Hustenreiz.
Ein Antihistaminikum kann daher beim trockenen Husten helfen, wie beim Mückenstich. Allerdings muss das Kratzen (hier das "wilde" Husten) vermieden werden: Durch Kratzen hier oder kräftiges Husten da - wird Histamin frei.

Wir erkennen also, dass durch kräftiges Husten der Hustenreiz unterhalten und verstärkt werden kann! Besser Sie husten zart und milde.


Vor der Therapie steht immer die Diagnose.

Erkrankungen mit dem Symptom Husten

Es würde in diesem Rahmen sicher zu weit führen, eine vollständige und ausführliche medizinische Darstellung aller Krankheiten mit dem Symptom Husten zu versuchen. Dafür sind medizinische Lehrbücher gedacht und der Besuch beim Arzt nicht zu umgehen.

Hier sollen aber einige interessante ausgewählte medizinische Aspekte vorgestellt werden: Die nachfolgenden Texte können helfen, sich über Risiken klar zu werden (zum Beispiel das Rauchen), eigene Strategien zum Umgang mit dem eigenen Husten zu finden, einen Arztbesuch in Erwägung zu ziehen - und auch Verständnis für die Not von Erkrankten zu wecken.

Virusinfekt der oberen und unteren Luftwege

Eine Erkältung mit Husten, Schnupfen und Heiserkeit kennt jeder. Ein solcher Infekt dauert nicht länger als drei Wochen, oft weniger. Die Viren erreichen uns über den direkten Kontakt oder über die Luft (Husten oder Niesen). Wer seine Mitmenschen anhustet oder anniest oder Ihnen die Hand gibt, die mit seinem Sekret kontaminiert ist, steckt sie an. Nicht jeder wird dann krank; eine gute körperliche und seelische Verfassung schützen oft effektiv. Auch an dieser Stelle der Hinweis: nicht in die Hand husten, sondern in die Ellenbeuge! (s. a. den Abschnitt "manierlich!") Eine gute Immunität kann aber durch hoch virulente Erreger ausgehebelt werden. Ernste und klassische Erkrankungen sind zum Beispiel die Tuberkulose (kein Virus!) oder Neumutationen der Influenza. Die Bedeutung der Schutzimpfung kann nicht genug betont werden. Während zum Beispiel die Tuberkuloseschutzimpfung bereits im Kindesalter durchgeführt wird und absolut notwendig ist, ist die Grippeschutzimpfung freiwillig und bietet auch nur Schutz gegen bereits bekannte Virustypen. Ein Cocktail aus den Virushüllen der aktuellen Vergangenheit kann dennoch recht gut für die Zukunft schützen: Zum einen überholt die Pharmaindustrie bei der Herstellung neuer Impfstoffe im Idealfall die Ausbreitung der Viren über den Erdball, zum zweiten "erfinden Viren nicht immer alles neu" und sind für einen geimpften Organismus doch noch halbwegs gut zu erkennen und die Infektion so "klein zu halten".

Ein Besuch beim Arzt ist sinnvoll bei Fieberanstieg, einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) mit Kopfschmerzen oder Übergang in eine heftige Bronchitis

Zur Hustenkultur:
Derartige Erkältungen gehen oft mit Hustenanfällen einher und sind Anlass, über eine Absage des Konzertbesuches nachzudenken. In leichten Fällen kann es gutgehen oder ein Platztausch (siehe "Knigge"!) ausreichen. Bedenken Sie unbedingt, dass Sie riskieren, Ihre Mitmenschen zu infizieren!

Allergie

Die allergische  Rhinitis ("Heuschnupfen") kann in der Saison auftreten oder ganzjährig, je nach auslösendem Allergen. Sehr häufig ist eine Allergie gegen die Pollen frühblühender Bäume wie Birke, Hasel und Erle, die dann auftritt, wenn die Pollen fliegen, meist im April oder Mai, gelegentlich auch viel früher. Ganzjahresallergien sind zum Beispiel die Hausstaub-/Milbenallergie oder die Allergie gegen Katzen. Allergien breiten sich aus: von der Nase in Richtung Bronchien (Etagenwechsel, Entwicklung des allergischen Asthmas) oder vom April auf den Sommer (Sensibilisierung gegen weitere Allergene durch den "priming-Effekt"). Eine vernünftige Behandlung nimmt der Allergie den Schrecken und erhöht die Lebensqualität beträchtlich.

Zur Hustenkultur:
Im Konzertsaal fliegen selten Pollen. Aber aufgepasst: Der Nachbar kann die Pollen oder Katzenhaare mitbringen! Dann drohen Husten und Niesen. Da die Therapie der Allergie einigermaßen sicher zu handhaben ist, sollte eine Allergie kein Hindernis für einen Konzertbesuch sein.

Raucherhusten

Raucher sind gefährdet, an der chronischen Bronchitis und dem chronisch obstruktiven Lungensyndrom zu erkranken. Da Rauchen diese und auch andere ernste Krankheiten nach sich ziehen kann, ist das Rauchen heute gesellschaftlich weitgehend zwar nicht geächtet, aber doch unerwünscht. Natürlich leben wir in einer freiheitlichen Gesellschaft, und jeder kann nach seiner Façon selig werden. Doch schadet der Raucher nicht nur sich, sondern in geschlossenen Räumen über das Passivrauchen auch seiner Umgebung. Daher ist das Rauchen inzwischen in vielen öffentlichen Bereichen verboten.

Von psychologisch entscheidender Bedeutung ist die lange Zeitspanne zwischen dem Rauchen und dem Auftreten von Krebs und/oder ernsten Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Würden die Raucher in der bekannten Häufigkeit direkt nach dem Rauchen - ohne ein Intervall von vielen Jahren - tot umfallen, würde der Zusammenhang ganz anders erlebt; kaum ein normaler Mensch würde noch rauchen. Aber wegen des zeitlichen Aufschubs glauben viele, sie hätten wohl Glück.

Raucher husten meist produktiv. Und sehr oft oder immer. Viele Raucher halten den Husten daher schon fast für normal.

Die Schleimhaut der unteren Luftwege ist beim Gesunden mit einem Teppich von Flimmerhärchen ausgekleidet, die das normale Sekret stetig Richtung Kehlkopf transportieren, wo ein kleines Räuspern genügt, um es loszuwerden und zu verschlucken. Beim Raucher ist das Sekret zäh, und die Härchen sind dauerhaft geschädigt oder fehlen. Der Raucher kann das Sekret nur durch wiederholtes Husten aus der Tiefe der Bronchien hervorbringen. Wenn er das unterlässt, zum Beispiel im Schlaf, sammelt sich eine Menge stehenden hochviskösen Sekretes an; es droht eine Infektion. Und morgens muss die Lunge ordentlich arbeiten, um dieses mehr oder weniger infektiöse Material abzuhusten. Wer aufhört zu rauchen, muss mit Wochen rechnen, bis sich die Flimmerhärchen wieder einigermaßen regenerieren. Aber es lohnt sich! Auch das Risiko für Krebs sinkt langsam wieder ab wie auch die Häufigkeit von Gefäßerkrankungen.

Zur Hustenkultur:
Die beste Therapie ist das Aufhören! Das kann jeder, man muss es nur wollen. Wer weiter raucht, hustet weiter. Raucher mit chronischer Bronchitis können ihren Husten oft gut kontrollieren. Ein Besuch in der Oper oder im Theater ist also gut möglich. Mit der richtigen Hustenkultur (siehe "Knigge") fällt ein Raucher mit chronischer Bronchitis nicht auf. Ohne Hustenkultur aber läuft der Raucher Gefahr, seinen Husten für normal zu halten und unabsichtlich rücksichtslos zu sein. Dies gilt erst recht für Schwerhörige, die sich selbst nur leise husten hören und nicht ahnen, wie sehr sie stören. Raucher mit chronischer Bronchitis gehören zu den wichtigsten (und dankbarsten) Zielgruppen der Initiative Hustenkultur!

Asthma

Asthma kann sehr viele verschiedene Ursachen haben wie Allergie, chronische Bronchitis und andere. Asthmatiker husten sehr oft. Das Asthma lässt sich mit inhalativen Sprays oft sehr gut behandeln. Diese Patienten sind meist gut "geübt" im Umgang mit ihrer Erkrankung und dem Spray.

Zur Hustenkultur:
Wer das Spray rechtzeitig anwendet, kommt gut zurecht, auch während einer Aufführung. Kurz vor der Vorstellung sollte man nicht schnell noch sprühen; es kann hierdurch rasch noch ein Husten ausgelöst werden. Und während des Konzertes ist es zu spät für eine inhalative Therapie. Warten Sie besser auf die Pause!

Akute und chronische Sinusitis

Während einer Erkältung oder Grippe sind die Nasennebenhöhlen oft mitbeteiligt (Sinusitis). Die Nebenhöhlen sind die "armen Verwandten der Nase": Geht beim Schnupfen weniger Luft durch die Nase, findet noch weniger Austausch von Luft und Sekret mit den Nebenhöhlen statt. So entsteht die akute Sinusitis. Nach Ende der Erkältung sollten die Symptome der Kopfschmerzen (und manchmal des Fiebers) zurückgehen. Bleibt die Sinusitis trotz angemessener Behandlung lange bestehen oder kehrt immer wieder, wird aus der akuten eine chronische Sinusitis. Dann spätestens muss gehandelt werden: Der HNO-Arzt findet die Lösung. Eine konservative Behandlung ist der Operation grundsätzlich vorzuziehen - und gelingt auch meist.

Zur Hustenkultur:
Patienten mit akuter Sinusitis sind so krank, dass sie nicht ausgehen mögen. Sie husten zu Hause. Die chronische Sinusitis hingegen kann nach außen so harmlos wirken, dass der Patient sie nicht sicher bemerkt; die Entzündung schwelt, man fühlt sich matt, die Leistungsfähigkeit lässt schleichend nach, Kopfschmerzen "wie aus der Ferne" stören das Wohlbefinden. Husten ist eher die Ausnahme. Manchmal kommt aber noch ein ständiger Fluss zähen Sekretes den Rachen hinunter dazu: das Post-nasal-drip-Syndrom.

Zähes Sekret im Rachen

Wenn zähes (hochvisköses) Sekret aus der Nase oder den Nasennebenhöhlen den Rachen herunterläuft, spricht der Arzt vom sinubronchialen Syndrom oder Post Nasal Drip-Syndrom (PND). Das kann sehr störend sein und auch Husten und Bronchitis auslösen. Jeder Mensch bildet in Nase und Nasennebenhöhlen Schleim (daher der Begriff "Schleimhaut"), das ist normal und notwendig; das Sekret wird natürlicherweise nach hinten unten in den Rachen weitergereicht und verschluckt - unbemerkt von uns allen. Wenn dieses Sekret aber die Viskosität von zähem Schleim oder gar wie Honig annimmt, fällt es auf, wird lästig und verursacht Husten, Räusperzwang und auch Bronchitis. Hier ist zunächst der HNO-Arzt gefragt, die genaue Ursache festzustellen: Meist liegt eine Entzündung der Nase (Rhinitis) und/oder der Nebenhöhlen (Sinusitis) vor; noch ernstere Erkrankungen müssen natürlich ausgeschlossen werden. Ziel der Therapie ist die Ausheilung der Ursache in Nase und Nebenhöhlen - und vor allem die Verflüssigung des Sekretes zurück auf Normalmaß. Viel Trinken hilft oft schon eine Menge! 

Zur Hustenkultur

Patienten mit sinubronchialem Syndrom haben wegen des Auswurfes einen Husten, der produktiv ist. Sie können ihren Husten aber meist sehr gut steuern und sind daher - mit dem entsprechenden Bewusstsein für eine Hustenkultur - ideale und nicht störende Konzertbesucher. Und die Therapie ist ausgesprochen vielversprechend.


* Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von hustenkultur.de kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen anzufangen.